Nicaragua vor den Wahlen: Die Russische Föderation als Partner im Gesundheitswesen

Ein Kind erhält ein Schluckimpfung gegen Kinderlähmung, Managua April 2013. Die Sandinisten begannen eine Nationale Impfkampagne, um die Gesundheit in breiten Teilen der Bevölkerung zu verbessern. 






Der Ausbau des staatlichen Gesundheitswesens in Nicaragua zählt zu den politischen Schwerpunkten der sandinistischen Regierung. Ein Großprojekt zum medizinischen Technologietransfer mit der Russischen Föderation soll einen weiteren Innovationsschub bewirken. 


Die Regierung Nicaraguas und das Gesundheitsministeriums der Russischen Föderation haben im Oktober mit einem gemeinsamen Festakt das Lateinamerikanische "Mechnikow"-Zentrum für Biotechnologie eingeweiht. Dieses beherbergt eines der weltweit modernsten Forschungslabore im Bereich der Biotechnologie und wird hochwertige Medikamente für ganz Lateinamerika herstellen. 

Das dafür erforderliche Investitionsvolumen von insgesamt 21 Millionen US-Dollar wird zu zwei Dritteln von Russland und zu einem Drittel von Nicaragua finanziert.

Im Rahmen ihres mehrtätigen Besuchs vom 20. bis 24. Oktober in Nicaragua hat die russische Gesundheitsministerin Dr. Veronika Skvortsova in Begleitung einer Ärzte- und Expertendelegation wichtige Weichen für eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern gestellt.

Skvortsova weihte das groß angelegte Projekt "Mechnikow" im Rahmen ihres Aufenthalts in der mittelamerikanischen Republik zusammen mit Nicaraguas Gesundheitsministerin Dr. Sonia Castro und der Leiterin der Panamerikanischen Abteilung der Weltgesundheitsorganisation OPS-OMS, Dr. Carissa Etienne, ein.

Das russisch-nicaraguanische Gemeinschaftsprojekt wird im gleichen Gebäude sowohl Forschungseinrichtungen als auch Laboratorien beherbergen. Deren Aufgabe wird die Entwicklung und Produktion von Medikamenten im Bereich der Immunbiologie und zur Bekämpfung von Epidemien sein.

Dieser innovative Schritt hinsichtlich der Vorsorge und Behandlung mit Blick auf die Epidemien, die in den letzten Jahren auch in Lateinamerika aufgetreten waren, soll helfen, Tausenden von Menschen das Leben zu retten und irreparable Gesundheitsschäden zu vermeiden. Schwerpunktmäßig sollen vor allem das Dengue-Fieber, das Gelbfieber, ZIKA und die Chicungaya-Krankheit bekämpft werden.

Durch die Arbeit des Mechnikow-Zentrums findet ein bedeutender Wissenschaftstransfer im Bereich der Biotechnologie und Biomedizin nach Lateinamerika statt, betont Dr. Skvortsova. In dem Zentrum werden Impfstoffe und andere Immunstoffe gegen eine Reihe von gefährlichen Krankheiten hergestellt, erklärte die russische Gesundheitsministerin in ihrer Eröffnungsrede:

Wir sind sicher, dass die Medikamente aus dieser modernen Produktionsstätte einen großen Beitrag für die Gesundheit der Familien in Nicaragua und in ganz Lateinamerika leisten werden.

Unter Verwendung russischer Spitzentechnologie sollen in einer ersten Etappe des Projekts 15 Millionen Impfstoffeinheiten gegen die Influenza, eine häufig tödlich verlaufende Form der Grippe, produziert werden. Nach Abschluss der geplanten Erweiterung des Großraumlabors im kommenden Jahr sollen Impfstoffe gegen Krebs, Gelbfieber, Zika, Hepatitis und andere schwere Krankheiten folgen.

Wir wollen im Rahmen dieses Projekts Medikamente von hoher Qualität zu niedrigen Preisen produzieren. Das ist nur unter dem Banner der engen Beziehung zweier Brudervölker wie Nicaragua und Russland möglich, und mithilfe der Weltgesundheitsorganisation", machte Frau Dr. Skvortsova deutlich.

Der ebenfalls anwesende Direktor des Instituts für Impfstoffe und Infusionen in Sankt Petersburg, Dr. Víctor Trujin, sieht in dem medizinischen Forschungsprojekt enormes Potenzial:

Das neue Großraumlabor für Biotechnologie in Nicaragua nimmt eine weltweite Spitzenposition ein. Russland kann zum Hauptlieferanten des Bedarfs an Impfstoffen für ganz Lateinamerika werden.

Bereits vor einigen Jahren wurde ein bilateraler Vertrag zur Ausbildung nicaraguanischen Personals im Bereich Biotechnologie durch die Chemisch-Pharmazeutische Akademie von Sankt Petersburg abgeschlossen. Seither studieren Ärzte aus Nicaragua an russischen Universitäten. 

Auch die Volksrepublik China und Kuba werden sich an dem ehrgeizigen Großprojekt beteiligen. So wurde der Besuch der russischen Delegation auch genutzt, um einen Kooperationsvertrag mit der chinesischen Firma SINOVAC abzuschließen. Bei dieser handelt es sich um eine führende Herstellerin immunbiologischer Medikamente. Vonseiten der Zuckerinsel wird das Kubanische Institut für Qualitätskontrolle von Medikamenten (CECMED) gemeinsam mit der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation ebenfalls an dem Vorhaben teilnehmen.

Im zeitlichen Umfeld des Besuchs der russischen Gesundheitsministerin fand zudem der dritte russisch-nicaraguanische Ärztekongress im Olof-Palme-Zentrum in Managua statt. Er wurde von über 500 Ärzten aus Nicaragua, Russland und den Mitgliedsländern der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation besucht. Auch hier standen die Themen Epidemien und Impfstoffe im Mittelpunkt.

Gesundheitsministerin Dr. Veronika Skvortsova ging in einer Rede zum Abschluss ihres mehrtägigen Besuchs auch auf neue bahnbrechende Entwicklungen ein, die in ihrem Land zu verzeichnen waren. Besonders im Bereich der Immunbiologie kann sich das Gesundheitswesen der Russischen Föderation revolutionärer Fortschritte erfreuen.

So wurden und werden in Russland weiterhin neue Medikamente zur Behandlung von Krebs auf der Basis monoklonaler Antikörper entwickelt, die speziell die Tumorzellen angreifen. Darüber hinaus gibt es neue gentechnische Impfstoffe gegen Tuberkulose und gefährliche bakterielle Infektionen. Außerdem werden die Erkenntnisse aus der Gentechnik und Immunbiologie erfolgreich bei der Behandlung von Antibiotika-Resistenz angewendet.

Alles in allem, so erläuterte die Ministerin, eröffnen die jüngsten Entwicklungen eine hoffnungsvolle Perspektive, um auf neuen Wegen Krankheiten zu behandeln, die bislang als unbesiegbar galten. Interessant sei dabei ein der bisher bekannten westlichen Pharmakultur entgegengesetztes Prinzip: Qualität zu niedrigen Preisen.

Dr. Skvortsova unterstrich in diesem Zusammenhang auch noch einmal die Grundmaxime der staatlichen Gesundheitspolitik in der Russischen Föderation, an der sich auch die Regierung in Managua orientieren möchte:

Medikamente sind für die Menschen da, sie dürfen nicht Gegenstand von Finanzspekulationen und Kostenüberhöhungen im Gesundheitswesen sein.

Auf ihrem Besuch in Nicaragua lernte die russische Gesundheitsministerin auch das staatliche nicaraguanische Gesundheitssystem genauer kennen. Sie lobte in diesem Zusammenhang vor allem dessen Nähe zur Bevölkerung. 

Selbst in die abgelegensten Zonen des Landes kommen regelmäßig Gesundheitsbusse, so genannte mobile Kliniken, die mit Ärzten und allen notwendigen medizinischen Geräten und Medikamenten ausgerüstet sind.

Hier werden regelmäßige kostenlosen Kontrolluntersuchungen und Behandlungen, inklusive Zahnbehandlungen, durchgeführt. Auch die populären "Gesundheitsmärkte" und die Förderung der Naturmedizin hat die russische Delegation mit Interesse wahrgenommen. 


Nicaragua vor den Wahlen: Die Russische Föderation als Partner im Gesundheitswesen Nicaragua vor den Wahlen: Die Russische Föderation als Partner im Gesundheitswesen Reviewed by Jura on November 05, 2016 Rating: 5

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