Kurznachrichten

So verhindert ihr, dass Facebook die Telefonnummern eurer Freunde bekommt



„Personen, die du vielleicht kennst“ gibt es auf Facebook zu Hauf. Bisweilen sind die automatischen Freundesvorschläge das sozialen Netzwerks interessant, mal unangenehm oder nervig, immer öfter aber auch einfach nur creepy.

Nur eines sind sie nie: rein zufällig. Die Tatsache, dass sich immer mehr Nutzer verwundert fragen „woher zur Hölle weiß Facebook, dass ich diesen Menschen kenne?!“, resultiert wohl in erster Linie aus dem allgemeinen Unwissen darüber, welche Daten der Algorithmus für seine Freundesvorschläge heranzieht.

Dass man dabei selbst Tinder-Matches als Facebook-Freunde vorgeschlagen bekommt, die man nie getroffen hat, oder verschiedene untereinander unbekannte Patienten einer Psychiaterin von Facebook als Freunde verkuppelt werden sollten, wirkt auf viele Nutzer befremdlich.

Doch bevor man nun darüber spekuliert, ob >Tinder, WhatsApp oder ein Hacker die Daten an Facebook weitergeben haben, sollte man sich erst einmal fragen, welche persönlichen Informationen man möglicherweise in der Vergangenheit selbst ganz unbedacht oder unwissentlich an das soziale Netzwerk rausgegeben hat.

Geschäftlich gesehen ist Facebook eine virtuelle Ansammlung von Konsumenten, die durch Reklame umworben wird.


Erst im Juli hatte Mark Zuckerberg die Nutzer des Facebook-Messengers mit ein paar bunten virtuellen Luftballons belohnt, weil sie die magische Marke von einer Milliarde geknackt hatten. 

Was vielen von uns, die die Chat-App auf dem Smartphone installiert haben, wohl nicht so bewusst ist: Sie ist eine der größten Quellen für ungebetene Freundschaftsvorschläge. Denn über den Messenger (und Whatsapp) kommt Facebook nicht nur an deine eigene Mobilfunknummer, sondern auch gleich an dein komplettes Adressbuch—vorausgesetzt du hast die automatische Synchronisation der Kontakte nicht ausgeschaltet.

Wie das geht, erklärt Facebook sogar selbst, weist andererseits aber auch nicht gerade offensiv auf diese Anleitungen zum Schutz der Privatsphäre hin: >Lest hier, wie ihr die automatische Synchronisation von Kontakten auf deinem Android oder iPhone deaktiviert. Nicht nur der Messenger, sondern auch die Facebook-App könnte die Daten deines Telefonbuchs auf die Server von Facebook hochgeladen haben. Den entsprechenden Workaround zur Deaktivierung findet ihr >hier.

Auch für den Fall, dass bereits Kontakte von eurem Smartphone auf Facebooks Server exportiert wurden, gibt es eine Lösung: Hier könnt ihr die entsprechenden Daten löschen und hier findet ihr eine Übersicht aller aus dem Messenger hochgeladenen Daten, die ihr ebenfalls löschen könnt.




Möglicherweise hast du bereist Hunderte an Datensätzen generiert, ohne es zu wissen.

Wie ihr seht, gibt es einige Vorkehrungen, die man selber treffen kann und—abhängig von der individuellen Brisanz des eigenen digitalen Telefonbuchs—auch treffen sollte. Dumm nur, wenn andere Nutzer ihre Kontaktlisten mit eurer Telefonnummer darin weiterhin mit Facebooks Servern synchronisieren. Genau das passierte wohl im Fall der Psychiaterin, deren Patienten andere Patienten als Freunde vorgeschlagen wurden. 

Im Gespräch mit >Fusion erklärte diese, sie habe ihre Mobilfunknummer, die sie auch an Patienten rausgibt, wohl irgendwannwohl mal bei Facebook hinterlegt— sie erinnerte sich aber gar nicht mal mehr daran. Die Ärztin erklärte damals: „Das ist ein massives Privatsphärendesaster. Ich habe Patienten mit HIV, Leute, die versucht haben sich umzubringen und Frauen in gewalttätigen, zwanghaften Beziehungen.”

Facebook hat bisher nicht öffentlich bestätigt, dass der Algorithmus die Telefonnummern von Nutzern auswertet, um Freundesvorschläge zu generieren, sondern verweist stets auf das allgemeine, ziemlich vage Statement zum Thema Freundesvorschläge.

„Personen, die du vielleicht kennst basiert auf gemeinsamen Freunden, Ausbildungs- und Berufsinformationen, Netzwerken, denen du angehörst, Kontakten, die du importiert hast, und vielen anderen Faktoren.“



Falls du bereits Adressbücher mti Facebook synchronisiert hast, kannst du die Daten mit einem Klick wieder löschen.

Dass Apps wie WhatsApp oder Tinder nicht zu den Quellen für Freundesvorschläge zählen, >erklärte eine Facebook-Sprecherin im Oktober 2015 gegenüber Motherboard: „Wir nutzen keine Informationen von dritten Apps, um dir Freundschaftsvorschläge im 'People You May Know'-Feature anzuzeigen.“ Dass Facebook aber sehr wohl gerne Informationen von Drittanbietern verwendet, um „Werbeanzeigen und Produkterfahrungen zu verbessern“, hatte Ende letzter Woche am Beispiel WhatsApp für ziemlichen Unmut unter den Nutzern gesorgt.

Erst im Juni waren Gerüchte bekannt geworden, dass Facebook wahrscheinlich auch Standort-Informationen seiner Nutzer für Freundesvorschläge verwendet. In einer Stellungnahme dementierte das soziale Netzwerk diese Praxis allerdings.

Wer nach langjähriger Facebook-Mitgliedschaft den Überblick verloren hat, welche persönlichen Daten sich mittlerweile auf den Servern von Mark Zuckerberg befinden, kann sich derweil hier auf sehr simple Art und Weise einen Ordner mit allen jemals geschriebenen Nachrichten, Fotos, Videos und etlichen Informationen mehr über die eigene Facebook-Vergangenheit runterladen.