ENDLOSE SÜHNE




Mein Vaterland hab’ ich verloren
stets strömen fremde Völker ein.
Kaum einer ist hier mehr geboren,
wie soll es denn so besser sein?

Auf meinen Wegen durch die Stadt
fühle ich mich nicht daheim:
mein Nachbar, ausgesucht vom Staat,
will ja auch nicht Deutscher sein.

Kulturen sind gewachsen
zum Zweck der eignen Rasse,
aus bunter Vielfalt Nützlichkeit
wird homogene Masse.

 


Wir litten auch im letzten Krieg,
uns sollte gar nichts mehr gehören
Die ganze Welt zog aus zum Sieg
Am End’ wollt’ man uns nur zerstören.

Durch Angst und Hunger eng vereint
Und gegen aller Neider Chor,
sind wir wieder aufgestanden –
stärker noch als je zuvor.

Schrien noch einig die Nationen:
Nieder mit der deutschen Klasse!
Als einz’ge Sünder ohne schonen,
machte jeder durch uns Kasse.

Trotz allem finanziellen Bluten
sind die Gemüter andrer Staaten
noch immer nicht beruhigt im Guten,
zu weit’rer Demut wird geraten.
Und zum Beweis, dass wir uns bessern,
müssen wir uns nun verwässern.

Das Ausland mischt in allem mit –
jeder darf hier mit entscheiden.
Und dass es ihr auch klar versteht,
zensiert man uns bei jedem Schritt,
durch moralisches Beschneiden
des Deutschen Souveränität.

Ein Volk ist stark durch die Kultur,
deshalb muss man die auch zerstören,
durch ungehemmte Fremdeinfuhr.
Um unser Geld sich jeder rauft,
zuletzt will man noch uns’re Seele –
doch haben uns’re eignen Herren
sie schon seit längerem verkauft.


Dieses Gedicht wurde von einer 90-Jahre (Jahrgang ’23) alten Dame geschrieben. Die Frau verbrachte ihre Kindheit und Jugend im Dritten Reich. Weder sie noch ihre Eltern waren Mitglieder der NSDAP. Als Stabshelferin durchlebte sie den Krieg und, als alleinstehende Mutter von 2 Kindern, die Jahre der Armut, Not und generellen Mangel an den elementarsten Dinge des Lebens.

Die Autorin des Gedichtes ist eine würdevolle Frau. Wenn ihr alter Rücken schmerzt läuft sie dennoch aufrecht und mit gehobenem Haupt zum Einkauf. Sie besteht darauf, ihre beiden schweren Taschen, eine nach der anderen, in die 3. Etage zu schleppen. Dabei vermeidet sie von ihren Nachbarn gesehen zu werden wie sehr es ihr Mühe bereitet. Sie nimmt keine Hilfen und Unterstützungen in Anspruch und verzichtet auf Rollator und Alten-Dienste. Alleine zu Hause, kleidet sie sich hübsch und geschmackvoll um ihrer selbst willen und bemüht sich, den Menschen denen sie begegnet einen gefälligen, optimistischen Anblick zu bieten. Sie hat sich ihre eigene Meinung mehr als verdient und er-lebt. Man kann sagen was man will, aber zu den Leistungen ihrer Generation ist heute niemand mehr imstande.

Als ehemalige Justizangestellte und gebildete, stets rational denkende Person, weiß sie, dass der Begriff “Kollektivschuld” juristisch und moralisch bedeutungslos ist. Gesetz, Recht und die Ethik beziehen sich immer auf die Handlung eines Individuums. Kollektivschuld, Erbschuld, Erbsünde sind Begriffe aus der Mystik religiöser, autoritärer Ideologien und gesellschaftlicher Gesinnungskontrolle.

Nach der Niederlage waren die Deutschen nicht einfach “Verlierer”. Nein, ähnlich wie 1918 schon, handelte es sich ab 1945 um 60 Millionen Mitglieder der Kriegsverbrecherpartei und blutrünstige, menschenverachtende “Krauts”. Was die alte Dame dabei am meisten schmerzt und frustriert ist, dass man heute so tut als wären ihre Zeitgenossen “andere” Deutsche gewesen. Ein Volk das sich, in nicht ganz erklärbarer Weise, durch einen satanischen Zauber in ein Reich der Finsternis begab. Heute sind wir also die “neuen, richtigen und eigentlichen” Deutschen, die von ihrer Alptraum-haften Verwandlung erlöst wurden und mit dem “damaligen” verhexten Menschen nichts mehr gemeinsam haben.

Diese Verwandlung zurück in die zivilisierte Gemeinschaft der Nationen, ist den Deutschen allerdings nicht geschenkt. Sie ist eine Leihgabe, und muss durch ständige Demuts-Rituale, Gesten der Unterwerfung, Reue und, natürlich, handfester Zahlungen bis ans Ende der galaktischen Zeitdimensionen erneuert werden.

Unsere Autorin ärgert sich besonders darüber, dass die jüngeren Generationen sich von politisch korrekten und liberalen Geschichtsdarstellungen beeindrucken läßt. Die jährlichen “Gedenktage”, Paraden von aufbereiteten “Dokumentation”, den ewigen selbstgefälligen “nie – wieder” – Ansprachen und Gesinnungsmanipulationen. Ihre gefallene Jugendliebe war kein “Opfer” dem man gedenkt, nur ein toter Feind. Deutsche Helden gibt es nicht, nur gewissenlose Aggressoren und kalte Befehlsempfänger.

Sie fühlt sich verzweifelt und hilflos gegenüber jüngeren Menschen, die ihr in ignoranter Respektlosigkeit über den Mund fahren, wenn sie zu erzählen wagt, dass in den 12 Jahren des Nationalsozialismus entgegen der offiziellen Version im Sommer auch die Sonne schien, Dass Menschen liebten, lachten und erschufen. Es gab Fröhlichkeit, verlässliche Freundschaften, nachbarschaftliche Fürsorge, Sicherheit und Familiensinn, Vertrauen, Respekt und Höflichkeit. Als Überlebende einer Katastrophe fühlt sie sich belehrt von einer Generation, die nie auch nur annähernde Verhältnisse durchmachen mußte und sich jetzt als Freizeit-Heilige aufspielen.

Die Dame verachtet unsere Staatsoberhäupter, die in anderen Ländern auf die Knie fallen, in naiv-lächerlichen Gesten photogen die Hände halten und sich vor anderen verbeugen. Sie kann sich nur schwer ein Bild vorstellen, auf dem Napoléon und Blücher Händchen halten. Vor allem sollte sich niemand in ihrem Namen entschuldigen, für etwas, das sie nicht zu verantworten hatte, von Personen, die diese Zeit nicht kannten und die sich mit ihrer heuchlerischen Demut politisches Profil erschleichen. Entweder man akzeptiert ein “neues” Deutschland, oder man hält jede Generation erneut als Geisel für alle Zukunft. Für den Kanzlerkandidat, der die Deutsche Souveränität wiederherzustellen verspricht, schleppt sich unser alte Dame gerne nochmals in die Wahlkabine.


Quelle: Der Staats-lose Bürger

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