Kurznachrichten

Bürger fürchten spionierende Bettler

Sind es nur Bedürftige oder doch Einbrecher? Die Oberislinger sind misstrauisch, seit Unbekannte ihre Häuser fotografieren.

Von Gertrud Baumgartl

Paketausfahrer Rudolf Pollinger bekommt das Problem hautnah mit. Er stellt fest, dass sich viele nicht mehr vor die Tür trauen. Foto: Baumgartl

 Die Weinbergstraße in Oberisling ist eine ruhige und gepflegte Wohnstraße. Viele Familien kennen sich schon seit Jahrzehnten. Seit alle paar Tage Bettler an den Türen der Ein- und Zweifamilienhäuser klingeln, haben Misstrauen und Angst Einzug gehalten. Öffnen die Anwohner die Tür, halten die Bettler stumm einen Zettel hin, auf dem sie um Unterstützung bitten. Seit mehrere Anwohner beobachteten, dass die immer ordentlich gekleideten Männer und Frauen beim Betteln aber auch die Häuser und Hauseingänge der Straße mit ihren Handys abfotografieren, geht die Angst um. „Die angeblichen Betteleien sind nur ein Vorwand. 

Dies nennt man meiner Meinung nach Auskundschaften, welche Objekte sich für einen Einbruch eignen.“ So hat eine Anwohnerin das dem OB, der Regierung der Oberpfalz, dem Ordnungsamt und dem Bürgerzentrum geschrieben. Was ihr Misstrauen noch verstärkt: Vor etwa einem Jahr wurde tatsächlich bei ihr eingebrochen. Dabei sei ihr großer Schaden entstanden. „Die Perlen haben sie liegenlassen, auch den PC. Sie haben aber alles mitgenommen, was nach Gold aussah, und natürlich Bargeld“, erzählt sie.

„Die tun doch nichts“

Vor allem die Nachbarn am hinteren Ende der Weinbergstraße, dort, wo die Felder beginnen, sind besorgt. Kinder bekommen eingeschärft, auf ja keinen Fall die Haustür zu öffnen. Und das Problem beschränkt sich nicht auf Oberisling, wie Paketausfahrer Rudolf Pollinger jeden Tag mitbekommt: „In Graß traut sich wegen der Bettler keiner mehr vor die Tür“, weiß er. Die große Einbruchsserie in Regensburg vor einigen Wochen schürte die Unruhe weiter.

Damals hatte die Polizei dazu aufgerufen, verdächtige Vorgänge sofort zu melden. Als auch die Oberislingerin zum Telefon griff, um auf die fotografierenden Bettler in der Weingartenstraße hinzuweisen, habe allerdings ein Polizist die Vorfälle so kommentiert: „Die tun doch nichts.“ Ein anderes Mal, als sie die Polizei über den Notruf verständigte, sei kein Streifenwagen verfügbar gewesen, erzählt sie. Nun ist sie enttäuscht: „Dass die Polizei nicht rigoros Einhalt gebietet bei den Haustür-Klingeleien, finde ich unerhört. Müssen wir Bürger uns denn alles gefallen lassen?“ 

Dabei sind der Polizei tatsächlich die Hände gebunden, erklärt Albert Brück vom Polizeipräsidium Oberpfalz: „So lange die Bettler keine Ordnungswidrigkeit oder Straftat begehen, können wir nur eine Personenkontrolle machen, also die Ausweise zeigen lassen.“ Seiner Erfahrung nach reiche diese Maßnahme meistens aus, denn die Bettler würden nicht gern Aufmerksamkeit auf sich ziehen.



Polizei in der Zwickmühle

Eine zweite abschreckende Maßnahme sei der Platzverweis. Obwohl die Stadt Regensburg aggressives Betteln strikt verbietet, hat die Polizei keine Handhabe, wenn Bettler sich auf Privatgrund befinden, etwa in Vorgärten. Überhaupt sieht sich die Polizei beim Umgang mit den Bettlern in der Zwickmühle, ergibt die Nachfrage bei den Polizei-Inspektionen Nord und Süd: „Manche Bürger wollen, dass wir ganz streng verfahren, bei anderen hat die Hilfsbereitschaft Priorität“, sagen die Pressesprecher. 

Inzwischen hat der Brief der Oberislingerin bei der Stadtverwaltung Wirkung gezeigt. Wie die Pressestelle erklärte, prüfe man nun, ob der kommunale Ordnungsservice auch Oberisling im Auge behalten kann.