Wieviel Menschen müssen noch sterben ? ? ?

Der Seehofer - ein Blitzmerker vor dem Herren

Der Seehofer - ein Blitzmerker vor dem Herren
Will morgen seinen Masterplan vorstellen?

Familie - Volk - Heimat

Der renommierte Dr. Josef Steiner Preis,  geht an den Regensburger Wissenschaftler Prof. Dr. Christoph Klein. Ausgezeichnet wurde seine Grundlagenforschung im Bereich der Metastasierung von Krebszellen.
Wissenschaftler Prof. Dr. Christoph Klein
Die Schweizer Dr. Josef Steiner Krebsstiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, hervorragende Krebsforschung, die im biologischen, grundlagenmedizinischen, klinisch-diagnostischen oder therapeutischen Bereich geleistet wird, auszuzeichnen. In diesem Jahr wurde der Regensburger Wissenschaftler Prof. Dr. Christoph Klein vom Lehrstuhl für Experimentelle Medizin und Therapieverfahrender Universität Regensburg mit dem auch als „Nobelpreis der Krebsforschung” bekannten Preis ausgezeichnet.
Geehrt wurde er für seine Grundlagenforschung, die sich mit der Suche und Charakterisierung der Gründerzellen von Metastasen auseinander setzt.  Die Ansiedlung von Tochtergeschwülsten, so genannten Metastasen, eines malignen Tumors ist oft das Todesurteil für einen Krebspatienten.
Entfernung von Lungenmetastasen
Jahrzehnte der Krebsforschung haben bislang nur wenig an dieser Tatsache ändern können. Leider sind bis heute die Therapieerfolge bei vielen Krebsarten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung enttäuschend geblieben. Deswegen bemüht sich die Forschung, eine vorliegende Krebserkrankung schon im Anfangsstadium zu diagnostizieren und durch frühzeitige Therapie die Heilungschancen zu verbessern.

Bei vielen Krebsarten wird frühzeitig zusätzlich zur operativen Tumorentfernung eine chemotoxische Therapie, besser bekannt als Chemotherapie, durchgeführt, mit dem Ziel, etwaige im Körper des Patienten verstreut vorliegende Tumorzellen zu vernichten. Es hat sich gezeigt, dass selbst Jahre bis Jahrzehnte nach einer erfolgreichen Operation noch Metastasen entstehen können. 
Chemotherapie, ist üblicherweise die medikamentöse Therapie gegen Krebs gemeint. Fachlich trifft das nicht ganz den Kern der Sache: Auch Antibiotika zur Behandlung von Infektionskrankheiten heißen Chemotherapeutika, Medikamente, die sich mit der chemischen Keule eines Krebsmedikaments nicht wirklich vergleichen lassen.
Ziel der Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Christoph Klein ist es, dieses latente Stadium einer systematischen Krebserkrankung zu erforschen und zu verstehen, in welchem Zustand die gestreuten Tumorzellen in den Organen vorliegen, welche Signalwege sie benutzen, um zu überleben und sich mit einer fremden, zum Teil feindlichen Umgebung zu arrangieren und wie diese „schlafenden“ Tumorzellen schließlich zu einer lebensbedrohlichen Metastase heranwachsen.
Die Antworten auf diese Fragen sollen helfen, neue Medikamente zu entwickeln oder vorhandene anders und gezielter zu nutzen, um die Entstehung von Metastasen zu verhindern. Der Dr. Josef Steiner Preis ist mit einer Millionen Schweizer Franken (etwa 800.000 Euro) dotiert. Prof. Klein teilt sich den Preis mit dem Berner Zellbiologen Eduardo Moreno.
Nach den Brandanschlägen auf das Berliner Bahnnetz warnt Innensenator Ehrhart Körting vor einem voreiligen Gebrauch des Terrorismus-Begriffes. Währenddessen konnten am Donnerstag weitere Brandsätze sichergestellt werden. 

Ermittler untersuchen Kabelschächte.
Berlins Innensenator Ehrhart Körting hat nach der Serie von Anschlägen auf Bahnlinien in und um Berlin vor übertriebenen Reaktionen gewarnt. Man solle einen Bürgerkrieg nicht an die Wand malen, sagte Körting am Donnerstagmorgen im Inforadio des RBB. Forderungen nach einer Aufstockung der Zahl von Polizisten wies Körting zurück. Berlin habe bereits die höchste Polizeidichte in Deutschland.

Anschlag auf die Stromversorgung: kleiner Schaden - große Wirkung.
Der Berliner Tageszeitung "B.Z" sagte Körting, bei den Tätern handele es sich um keine große, organisierte, "sondern eine kleine linksextremistische Gruppe", die innerhalb der Szene isoliert sei. Ein Vergleich mit der Rote Armee Fraktion sei unangebracht, weil diese seinerzeit sehr wohl Unterstützer gehabt habe.
Körting stufte die noch unbekannten Täter dennoch als gefährlich ein. "Sie waren sachkundig, kannten sich auf den Bahnanlagen aus, wussten genau, wo sie die Brandsätze deponieren mussten", sagte er. Damit hätten sie schwerste Kriminalität begangen, und Menschenleben gefährdet, sagte der SPD-Mann dem RBB-Inforadio: "Die Bezeichnung ist mir relativ egal."

Bekanntlich verteidigt die BRD unsere Freiheit auch am Hindukusch. Was die islamischen Taliban Afghanistans nun allerdings unmittelbar mit der Freiheit Deutschland zu tun haben sollen, bleibt bei allem Pathos letztlich offen. Daß solcherlei ritterliche Demokratisierungskreuzzüge natürlich nicht ganz ohne Kollateralschäden auskommen, kann man sich getrost denken, auch wenn der Bundestag weiterhin an seiner Kriegsdefinition vom Wiederaufbau und/oder allenfalls vom Konflikt festält.

Wie soll ein deutscher  mit diesem Tatbestand umgehen? Grundsätzlich gibt es da verschiedene Herangehensweisen. Viele  trauern um die Gefallenen, wünschen den noch lebenden Truppen viel Glück und Erfolg in der nächsten Schlacht. Die schiere Unsinnigkeit des Afghanistan-Kriegs wird dabei grob ausgeblendet. Wieder andere Deutsche, inbesondere jene aus verschwörungstheoretischen Kreisen, verlachen die deutschen Gefallenen und/oder weinen ihnen keine Träne nach.
 


Wir sollten uns bei Kriegen wie dem Afghanistan-Krieg immer darauf besinnen, daß sie niemals deutschen Interessen dienen können. Die politische Betrachtung zwingt uns zu dem Ergebnis, daß die Taliban und andere afghanische paramilitärische Truppen als Befreiungstruppen angesehen werden müssen, die ihr Land verteidigen. Welches politische System ein Volk in seinem Land etablieren möchte, liegt nicht in unserem Entscheidungsspielraum, weder moralisch noch politisch.


Gleichzeitig muss uns aber klar werden, daß deutsche Soldaten für größenteils fremde Interessen in einem Krieg verrecken, der niemals hätte beginnen dürfen. Unsere völkische Betrachtung kommt zu dem Ergebnis, daß uns der Afghanistan-Krieg  solange etwas angeht, wie deutsche Soldaten dort verpulvert werden.
Unser Interesse an der Beendigung des Krieges liegt also sowohl in einer politischen als auch in einer völkischen Betrachtung.

Ein toter Soldat kostet 2,3 Millionen Euro


Ökonomen hatten 2010 die Kosten des Afghanistan-Einsatzes berechnet - und kamen auf 36 Milliarden Euro. Die Regierung kalkulierte anders.


Einen Festakt wird es bei diesem Jubiläum nicht geben, das dürfte klar sein. Die Politik wird leise und von Amts wegen würdigen, aber sicher nicht feiern. Was sollte man auch auf die Einladungskarten drucken lassen? "10 Jahre Einsatz für Frieden, Demokratie und Mädchenschulen"? Ex-Verteidigungsminister Franz-Josef Jung hätte vielleicht sogar noch 2009 die Chuzpe gehabt, auf die Art zum Umtrunk zu bitten. Aber heute? Das seinerzeit übliche Maß an Realitätsferne wäre nur noch etwas für bissige Kabarettisten. Man könnte sich natürlich auch Peter Strucks Bonmot bedienen und "herzlich zu 10 Jahren Verteidigung Deutschlands am Hindukusch" einladen. Die Veranstalter hätten den eigentlichen Sinn des Einsatzes damit zwar schon wesentlich besser erfasst, würden aber auch Fragen provozieren, deren Antworten niemand hören will.

Nein, es gibt nichts zu feiern nach zehn Jahren Einsatz in Afghanistan. Bei Kriegen werden gemeinhin deren Siege gefeiert, in Deutschland auch die bitteren Niederlagen. Am Hindukusch ist jedoch erstes mittlerweile ausgeschlossen und zweites auf 2014 datiert. So wird Thomas de Maizière, der vierte Minister, der für den Einsatz Verantwortung trägt, also keine Einladungen verschicken und kann sich mit ganzer Kraft auf die Abwicklung desselbigen konzentrieren.


Kampf war politisch nicht vorgesehen

 

Nach zehn deutschen Kriegsjahren in Afghanistan ist das Ergebnis verheerend, nur wenige Ziele wurden erreicht. Zwischen den ersten Bildern deutscher Soldaten, die im Herbst 2001 in Kabul zu patrouillieren begannen, und heutigen Aufnahmen liegen Welten. Freundlich winkende Fallschirmjäger des ersten deutschen Einsatzkontingents liefen damals durch die Straßen der Hauptstadt und verteilten Schokolade an Kinder. Schutz war kaum nötig. Das Gewehr schien eher Teil der Uniform zu sein, denn Waffe zum Kämpfen. Und Kampf war politisch auch gar nicht vorgesehen.

us soldaten
Heute wirken diese Szenen planlos, ja fast schon naiv. Zehn Jahre und 52 gefallene Bundeswehrsoldaten später, hat der Kampf längst seinen Weg auch zu den Deutschen gefunden. Stundenlange Gefechte mit den wiedererstarkten Taliban gehören nun zum Alltag der Truppen im Großraum Kunduz. Artillerieeinsatz auf feindliche Stellungen, gesprengte Schützenpanzer und Luftnahunterstützung auf gekaperte Tanklaster. Der vermeintliche Friedenseinsatz hat sich in einen handfesten Guerillakrieg verwandelt.


Mission accomplished?


Und auf der Habenseite? Wenig Greifbares und noch weniger, das den Rückzug der Nato überstehen wird. Natürlich gibt es Zahlenangaben der Bundesregierung, wie viele Schulen eingerichtet wurden, in welchen Bereichen sich das Gesundheitssystem verbessert hat und wie viel Prozent der Regierungsstellen inzwischen mit Frauen besetzt sind. Aber reicht das aus? Mission accomplished?

Männer flüchten vor dem Feuerball, der aus den Tanklastern aufsteigt. Der Treibstoff war für die Nato-Trupen in Afghanistan bestimmt gewesen, explodierte aber auf dem Weg bei einer Attacke in den Außenbezirken der pakistanischen Stadt Quetta. Immer wieder werden Tanklaster für die Nato in Brand gesteckt
Die Wahrheit ist, dass in den entscheidenden Bereichen zur Stabilisierung Afghanistans einfach viel zu wenig erreicht wurde. Um einer "Übergabe in Verantwortung" an die Kabuler Regierung zumindest eine Chance zu geben, hätten vor allem die Sicherheitskräfte des Landes in einen soliden Zustand versetzt werden müssen. Wer soll denn nach 2014 die errichteten Schulen schützen, wenn nicht die afghanische Polizei? Wer die von Pakistan einsickernden Stammeskrieger und Taliban in Schach halten, wenn nicht die afghanische Nationalarmee?


Die Bundesregierung hat in den letzten zwei Jahren versucht, die verlorene Zeit bei der Ausbildung der einheimischen Sicherheitskräfte aufzuholen. Es wird nicht mehr reichen. In der Masse ist die afghanische Polizei immer noch mehr Landplage als Ordnungsfaktor. Unfähigkeit und Korruption zählen noch zu den leichteren Problemen. Und auch wenn die ANA, die Afghan National Army, in einem leicht besseren Zustand ist als die Truppen des Innenministeriums, hat sie mit Drogenkonsum, Stammesverflechtungen und Desertionsraten von bis zu 40 Prozent zu kämpfen. Es ist schlicht utopisch, dass diese beiden Institutionen in drei Jahren das schaffen sollen, was ihnen heute mit der Unterstützung von 120.000 NATO-Soldaten nicht gelingt.

Es gilt, sich neu zu positionieren


Das von Barack Obama vorgegebene Abzugsdatum erledigt den Rest. Wie ein Damoklesschwert schwebt es über allen Bemühungen, das Ruder am Hindukusch noch herumzureißen. Bei den Afghanen ist jegliches Vertrauen in die westlichen Truppen verschwunden, die Kooperationsbereitschaft auch. Moderate Führungspersönlichkeiten, wie der Ende September getötete Ex-Präsident Rabbani, werden von den Taliban gezielt ausgeschaltet. Auch im deutschen Einsatzgebiet verlängert sich diese Todesliste stetig. Ob Distriktmanager, Polizeichefs, Provinzgouverneure oder Armeegeneräle - wer der afghanischen Regierung dient, lebt gefährlich.

Auch außerhalb des Einsatzgebiets hat der Krieg in Afghanistan bemerkenswerte Auswirkungen verursacht. Der Damm, der die Bundesrepublik jahrzehntelang von internationalen Kampfeinsätzen fernhielt, ist parteiübergreifend - außer in der Linkspartei - eingerissen worden. Der befürchtete Gegenwind des Wählers war überraschend schwach. Nicht einmal als Wahlkampfthema war "Raus aus Afghanistan" bisher tauglich.

Grenze des utopischen Weltverbesserungswillens

 

Dass deutsche Soldaten in fernen Kriegen kämpfen, ist heute normal. Auch sprachlich und visuell sind diese Veränderungen spürbar. Es gibt ein verstecktes Ehrenmal für getötete und gefallene Soldaten der Bundeswehr. Der Verteidigungsminister gestattet den Afghanistankämpfern, sich Veteranen zu nennen, und manch Parlamentarier trägt eine goldene Solidaritätsschleife am Revers.




Die welthöchste Webcam liefert ab sofort Live-Bilder vom Mount Everest. Die in 5675 Höhe auf dem Gipfel des Kala Patthar mit Blick auf den Mount Everest installierte Kamera kommt von der deutschen Firma Mobotix.

Die welthöchste Webcam liefert ab sofort Live-Bilder vom Mount Everest. 
Die in 5675 Höhe auf dem Gipfel des Kala Patthar mit Blick auf den Mount Everest installierte Kamera kommt von der deutschen Firma Mobotix und soll Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius aushalten. Aufgestellt wurde sie vom italienischen Wissenschaftlerteam Ev-K2-CNR. Die Klimaforscher wollen anhand der Bilder von den Wolkenformationen am höchsten Berg der Welt sowie meteorologischen Daten die Auswirkungen des Klimawandels untersuchen.
Im Einsatz ist die Webcam während der Tagesstunden in Nepal (02.15 bis 14.15 MESZ). 

Alle fünf Minuten wird ein neues Bild vom Mount Everest gefunkt.  


Die Forscher hätten Monate damit verbracht, den idealen Standort für die Webcam zu finden, sagte Giampietro Kohl von Ev-K2-CNR. Schließlich sei der Kala Patthar ausgewählt worden, weil dieser den besten Blick auf die westliche Seite des Mount Everest einschließlich der Nord- und der Südwestflanke ermögliche. Die bisher höchste Webcam der Welt steht im Basislager des Aconcagua in Argentinien in 4389 Metern Höhe.


Wo Zerstörung ist, wird noch mehr zerstört, wo Dreck ist, kommt
mehr Dreck dazu. Was tun ? Null Toleranz ? Aber die Berliner wollen kein
autoritäres Ordnungsamt. Einige engagieren sich, andere verwahrlosen
lieber. Und die Politik kehrt nur vor ihrer eigenen Tür.
Carsten Spalleks Herrschaftsgebiet ist an diesem Nachmittag in mäßig unordentlichem Zustand. Auf dem Weg zum Rathaus Wedding an der Müllerstraße, wo Spallek als Stadtrat für Wirtschaft, Immobilien und das Ordnungsamt sein Büro hat, sieht man: Hundekot in Beeten, ein paar Dosen und Tüten auf den Spielplätzen, das ein oder andere verrottende Möbelstück auf dem Fußweg. Die Besatzung eines Streifenwagens kümmert sich am Rand einer Grünanlage um einen kleinen Trinkertrupp. Zwei weitere Trinker bewegen sich den Gehweg hinab in Richtung Rathaus, sie in Jogginghose und ausgelatschten Turnschuhen, er mit einer Gitarre über der Schulter.


„Du musst doch wissen“, sagt er, „ob du dir jetzt wichtig bist oder die anderen.“ – „Manchmal bin ich mir wichtig“, antwortet sie, „manchmal die anderen.“
Suff am Nachmittag, in aller Öffentlichkeit, gehört unbestritten zu den Anzeichen von Niedergang. Verwahrlosung ist: wenn es irgendwo aussieht, als würde sich keiner kümmern. Wenn Dreck herumliegt, obwohl die Leute von der Stadtreinigung ihren Job gemacht haben. Verwahrlosung ist ein anderes Wort für Hundekacke, kaputte Flaschen, Essensreste, Müll auf den Straßen oder auf Spielplätzen. Verwahrlosung verunsichert viele Leute. Und viele ärgern sich über verdreckte Parks oder Spielplätze. Oder über Trinker, die dort herumkrakeelen. Verwahrlosung ist ein Politikum.


Wenn Stadtforscher und Psychologen das Vermüllungsverhalten der Großstädter untersuchen, stellen sie fest, dass die Leute schon Zigarettenkippen und Graffiti als Zeichen von Verwahrlosung ansehen. Kriminalitätsforscher betrachten die Verwahrlosung eines Kiezes als Zeichen einer kriminellen Entwicklung. Das ist, verkürzt, die „Broken Windows“-Theorie: Wo Zerstörung ist und Dreck, wird noch mehr zerstört, kommt Dreck hinzu. Abstrakter gesagt: Wo Verwahrlosung ist, wird Kriminalität hinkommen. Oder jedenfalls unordentliches, regelwidriges Verhalten: Mir scheißegal, was andere denken! Leute beschweren sich beim Ordnungsamt, wenn Radfahrer über den Bürgersteig rasen und Fußgänger gefährden. Regeln werden missachtet, Sitten verfallen.
Die Weddinger Trinkerszene gehört nicht zu Stadtrat Spalleks größten Problemen. Der CDU-Mann ist in Wedding aufgewachsen und herbe Verhältnisse gewöhnt. „Wedding war nie schick und schön“, sagt er. Der Wedding sei früher „schroff und ehrlich“ gewesen. „Das ist nicht mehr so. Der Charakter des Kiezes kippt“, sagt Spallek. Woran man das merkt, wo Verwahrlosung beginnt – darüber kann man streiten. Die Politiker tun es gern. Nicht nur zuständigkeitshalber, sondern auch, weil man am Umgang mit der Verwahrlosung zeigen kann, wie man Gesellschaft versteht und Ordnung und Sicherheit und Regeln. Der Kampf gegen Verwahrlosung ist Gesellschaftspolitik.

Spallek hat sehr klare Vorstellungen. Den Platz vor dem Rathaus ließ er vor anderthalb Jahren zur alkoholfreien Zone erklären. Ein Sicherheitsdienst patrouillierte anderthalb Monate zweimal am Tag und wies die Trinker auf das Alkoholverbot hin. Rund 870 Euro habe das gekostet, sagt Spallek. Dann waren die Trinker weg, umgezogen auf andere Plätze und in die Grünanlagen – aber weg vom Rathausvorplatz. Das hatte Spallek immerhin erreicht: dass Kinder zur Stadtbibliothek im Rathaus gehen konnten, ohne an der lokalen Säuferszene vorbei zu müssen. Das war das eine. 

Das andere war: Für den 39 Jahre alten CDU-Mann hatte der Zustand des Rathausvorplatzes vor allem und zunächst mit seinem Amtsverständnis zu tun. Was ist das für einer, so muss er sich gefragt haben, der für die öffentliche Ordnung zuständig ist und nicht mal vor seinem Amtssitz Ordnung halten kann, sondern Trinker dasitzen hat – 20 bis 25 Leute, wie Spallek sich erinnert, die eine Kiste Bier leer machten? Das würde bedeuten, Verwahrlosung einfach hinzunehmen. So einer wollte Spallek nicht sein.

Es gibt unterschiedliche Typen von Ordnungsstadträten, Antagonisten im Umgang mit Verwahrlosung sozusagen. Spallek gehört zu denen, die Verwahrlosung auf die Erosion vormals anerkannter Regeln, den Verfall und die gleichzeitige Überforderung staatlicher Autorität zurückführen. Und kein gutes Gefühl dabei haben. Mit zwölf Jahren sei er mal von einem Polizisten angesprochen worden, weil er auf dem Fußweg Fahrrad fuhr – Spallek macht sein erschrockenes Kindergesicht von damals nach: „Natürlich hatte der Autorität!“ So eine Szene kann man sich in Wedding heute nicht mehr vorstellen. Der Staat heute und seine Repräsentanten mögen vieles haben, vor allem viele Angebote – Autorität aber nicht.

Spallek lacht gern im Gespräch. Er sieht ein bisschen streng aus, aber er redet locker, etwa von der „Vollkasko-Mentalität“ mancher Mitte-Bewohner. Probleme? Der Staat wird es schon richten. Das Gefühl, dass politisch etwas massiv ins Rutschen gekommen ist und dieser Prozess sich an der Verwahrlosung ganzer Kieze zeigt, lässt ihn offenbar nicht los. Der Mann aus Wedding hätte den Staat gern ein wenig stärker, als er sich darstellt. Er spricht von der „Wumme“, die einem Polizisten immer noch etwas mehr Autorität verleihe als dem Mann vom Ordnungsamt sein Pfefferspray. Aber gerade der ist zuständig für „die Ordnung“. Man sei in einer Endlosschleife aus Erwartungen der Bürger, neuen Gesetzen, die auf die Erwartungen reagieren, aber nicht durchgesetzt würden, sagt Carsten Spallek. Bürger und Ordnungsamtsmitarbeiter seien gleichermaßen frustriert.


Spalleks Kollege Peter Beckers steht für einen anderen Typ des Ordnungspolitikers. Der Stadtrat für Wirtschaft, Bürgerdienste und das Ordnungsamt im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat natürlich ebenfalls Müll-Probleme. Aber er sieht die Entwicklung nicht ganz so zivilisationskritisch wie Spallek. Ordnungspolitik ist für ihn eher eine Sache der Motivation und der Zusammenarbeit von Behörde und Bürger – da, wo der Bürger dazu bereit ist. Der SPD-Mann versteht sich als Organisator neuer Lösungen.

Das funktioniert in Friedrichshain und Kreuzberg eher basisdemokratisch und mit Gefühl. Die heruntergekommenen Teile des Bezirks sind für Beckers etwas, mit dem man umgehen muss, aber kein gesellschaftspolitisches Thema. Manche Kieze vermüllen eben. Von einem Bürgertreffen zitiert der Stadtrat Sätze wie: „Ich möchte hier kein Ordnungsamt!“ oder: „Ich möchte hier keine soziale Kontrolle.“


Manchmal hat der grüne Kommunalpolitiker den Eindruck, die Politik werde Opfer ihres eigenen Erfolges. Da versucht man, Prenzlauer Berg zum Radlerparadies zu machen – und dann sind da Radfahrer überall, vorzugsweise auf Gehwegen und gern mit Rädern, auf denen Kinder mitreisen. Kirchner hat sich die Fähigkeit bewahrt, über Ordnungsfragen zu lachen, trotz oder wegen 30 Hinweisen auf Ordnungsprobleme täglich. Seine Lieblingsgeschichte handelt von den „sozialistischen“ Erwartungen des Bürgers an den Staat: Da habe einer angerufen beim Ordnungsamt und gesagt, bei ihm vor dem Haus stehe ein alter Kühlschrank. Das Amt rückte an, sah routinemäßig in den Kühlschrank und fand ein altes Medikament. Auf dem Etikett hatte die Apotheke den Namen des Kunden vermerkt. Es war der, der beim Ordnungsamt angerufen hatte, um auf den Kühlschrank hinzuweisen.
Radfahrer auf dem Bürgersteig, Falschparker, Lärm, die Trinker vom Helmholtzplatz, die Leute am grünen Rand von Pankow, die zum von der BSR eingesammelten Laub den Grünmüll aus dem eigenen Garten stellen und vielleicht auch noch eine alte Autobatterie – „das Ordnungsamt ist eigentlich immer an der falschen Stelle“, sagt Kirchner und trifft auch mit dieser These den Kern des Verwahrlosungsproblems. Spaßeshalber habe er mal ausgerechnet, wie viele Mitarbeiter sein Ordnungsamt auf der Straße haben müsste, wollte es alle Aufgaben lösen und alle Regeln durchsetzen: 6000, sagt Kirchner. Das würde reichen, um alle 200 Meter an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr eine Doppelstreife zu postieren.
Was nicht passt zu Berlin. Zu Berlin passt eher der Hader über die Verwahrlosung hier und da bei gleichzeitiger Betonung der eigenen Lässigkeit. Die Leute ärgern sich – aber nicht zu sehr. Die Ordnungsämter von Berlin sind überladen mit Aufgaben und personell unterbesetzt, „weil wir sozialistische Verhältnisse haben und weil wir eine Stadt der Freiheit sind“, sagt Kirchner, der Philosoph unter den Ordnungspolitikern: Der Staat soll immer zuständig sein. Doch seine Zuständigkeit darf nicht repressiv erscheinen.

Was tun? Stadtrat Beckers aus Friedrichshain-Kreuzberg würde, um beim Grundsätzlichen anzufangen, gern den Leuten vom Ordnungsamt erlauben, auch mal ohne Uniform unterwegs zu sein. Damit sich die Leute nicht nur dann an Regeln halten, wenn die blauen Uniformen nahen. Beckers findet überdies höhere Ordnungsstrafen sinnvoll – damit die Leute merken, dass der Staat es ernst meint. Kollege Spallek aus Mitte hätte gern mehr Mitarbeiter. Und er findet, dass nur Erziehung gegen die Art von Verwahrlosung hilft, mit der er es in Wedding zu tun hat. Weil die Erziehungsfähigkeiten vieler Eltern verwahrlost sind, denkt der CDU-Mann Spallek an Kindergartenpflicht und Integrationskonferenzen. Da müsse es um Antworten auf die zentrale Frage gehen: „Was wollen wir voneinander?“ Kollege Kirchner aus Pankow setzt auf Bürger, die sich engagieren. Aber er erwartet auch, dass in den kommenden Jahren eine Menge neuer Regeln kommen – etwa für Radfahrer. Das könnten eine Kennzeichenpflicht sein, ein Führerschein – oder Einträge im Flensburger Verkehrssünder-Register.
Die Psychologin Rebekka Gerlach hat an mehreren Untersuchungen zum „Littering“ mitgearbeitet – der englische Begriff für den Umgang des Stadtmenschen mit dem Müll. Da kommt man zu komplexen Erkenntnissen. So sagen Leute, die beim Wegwerfen von Müll ertappt worden sind, es sei kein Mülleimer in der Nähe gewesen – auch wenn das nicht zutrifft.

 Die Berliner Politik : Aus Diskussionen und Beschwerden werden neue Vorschriften und Gesetze. Um deren Einhaltung soll sich das Ordnungsamt kümmern. Eine endlose Vorschriftenserie von oben. So wird der Umgang mit Hunden und Kampfhunden neu geregelt und der Umgang mit Rauchern. Aber die Methode funktioniert nicht – das zeigen die immer neuen Verwahrlosungsdiskussionen. Anders als vor zwanzig Jahren in New York macht sich niemand im Senat an das Problem „Verwahrlosung“ – nicht im Sinne von: Ich will das ändern. Dabei ähneln sich Probleme in den Bezirken – das schreit nach einer übergeordneten, vom Senat organisierten Lösung. Doch weil sich keiner zuständig macht, verwahrlost Berlin: in Freiheit und kiezweise.
Merkel und Konsorten verkaufen die Zukunft und die wirtschaftliche Sicherheit unseres Volkes, um das parteiübergreifende Hätschelkind namens Euro zu retten. 

Der Bundestag beschloß auf Vorschlag der Bundesregierung die Erweiterung des EU-Rettungsschirms für Pleitestaaten. An dem gefährlichen Monopoly ist Deutschland und somit der deutsche Steuerzahler mit 211 Milliarden Euro beteiligt. Wir Deutschen müssen 27 Prozent des gesamten Topfes schultern, nachdem wir schon bei den Vorgänger-Fonds zur Rettung Griechenlands, Portugals und Irlands am tiefsten in die Tasche greifen durften. Bisher wird beschwichtigt, daß es sich nicht um konkrete Zahlungen handelt, sondern lediglich um Garantien.

Daß diese bei der Krisenstimmung in den Volkswirtschaften Südeuropas fällig werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Der neu beschlossene Rettungsfonds hat vor allem die Aufgabe, Anleihen in Not geratener Staaten zu kaufen. Fallen diese aus, muß zusätzlich auf die gegebenen Garantien zurückgegriffen werden. Ein Teufelskreislauf beginnt somit, an dessen Ende immer weitere Rettungsschirmaufstockungen und schließlich das Ende des Euros stehen werden. Ob diejenigen, die im Bundestag für diesen Rettungsschirm stimmten, die Vertragsbedingungen überhaupt gelesen und verstanden haben, muß stark bezweifelt werden. Erinnert sei an den Vertrag von Lissabon, dessen Inhalt kaum ein Bundestagsabgeordneter bei Nachfrage wiedergeben konnte, zu dem die Zustimmung „unserer Volksvertreter“ dennoch parteiübergreifend riesengroß war.

Ist der Bundestag ein Irrenhaus ? Oder regieren uns Menschen, die jede Bodenhaftung und jegliche Tuchfühlung zum Volk verloren haben ? Fakt ist, daß laut emnid-Umfrage 50 Prozent der Deutschen die Rückkehr der D-Mark und damit eine starke Währung als Grundlage für eine wirtschaftliche Absicherung Deutschlands wünschen. 40 Prozent der Deutschen denken über einen Ausstieg Deutschlands aus dem Völkergefängnis namens Europäische Union nach.

Es ist nur zu verständlich, daß, wenn die europäischen Traumblasen vom durch Deutschland finanzierten gesamteuropäischen Wohlstand platzen, sich die Menschen wieder nach dem sehnen, was uns Deutschen wirtschaftliche Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit verschaffen würde. Die Gegnerschaft trifft mit ihren Forderungen nach einem schnellstmöglichen Ausstieg aus der EU und der Wiederkehr der D-Mark als währungspolitischem Stabilitätsgaranten den Nerv der Zeit.

Nun werden im Ausland Stimmen laut, die eigentlich nur das bestätigen, was Millionen Deutsche seit Jahren ahnten. Laut dem britischen Außenminister William Hague kann die Euro-Zone nur noch als „brennendes Haus ohne Ausgang“ betitelt werden, indem Deutschland die schwächeren Mitgliedsstaaten so lange durchfüttern darf, bis sie endgültig kollabieren. Nach seiner Prognose wird die Schaffung der Währungsunion als „historisches Monument kollektiven Wahnsinns“ in die Geschichtsbücher eingehen. Auch der hochrangige Manager der Bank Unicredit Attila Szalay-Berzeviczy sieht den Euro Europa in ein düsteres Katastrophenszenario führen und konstatiert, daß der Euro als Gemeinschaftswährung längst tot sei.

Solche Ehrlichkeit ist von bundesdeutschen Politikern nicht zu erwarten. Dabei ist das Gebot der Stunde so klar: Raus aus dem Euro und der EU – und rein in die wirtschaftliche Selbstbestimmung.


Keine Macht kann uns den Glauben aus dem Herzen reißen, mit dem die besten unseres Volkes fielen, den Glauben an ein freies deutsches Vaterland.”

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